Schlusspfiff im Streit um die Sportplätze

Erstellt von Julia Klassen |

Ende März ging das Duell zwischen Gemeinde und SV Illingen noch in die Verlängerung. Nun ist endlich der Schlusspfiff ertönt: Nach mehr als sechs Jahren haben die beiden Seiten eine Lösung gefunden. Bürgermeister Armin Pioch und die Vereinsvorsitzende Doris Müllner verkündeten erleichtert: „Wir haben uns geeinigt.“

Damit endet der Konflikt um die Kosten für Nutzung, Pflege und Instandhaltung der Illinger Sportanlagen, der Verwaltung und Verein über Jahre beschäftigt hatte. Grundlage der Einigung ist ein Gemeinderatsbeschluss aus einer nichtöffentlichen Sitzung. Demnach beteiligt sich der SV Illingen mit insgesamt 150000 Euro an den zwischen 2020 und Ende 2025 entstandenen Kosten. Davon zahlt der Verein die Hälfte sofort, die weiteren 75000 Euro werden in fünf Jahresraten à 15000 Euro beglichen.

Der Ursprung des Konflikts reicht bis ins Jahr 2020 zurück. Nachdem der SV Illingen den Pachtvertrag für die Sportplätze zum Jahresende 2019 gekündigt hatte, weil die Kosten für Pflege und Instandhaltung aus Sicht des Vereins finanziell nicht mehr zu stemmen waren, fehlte über Jahre eine neue Regelung. Zwar nutzte der Verein die gemeindeeigenen Sportanlagen weiter, eine Einigung über die Kostenbeteiligung kam jedoch zunächst nicht zustande. Als die Gemeinde schließlich die in den Jahren entstandenen Kosten für Nutzung, Pflege und Instandhaltung auf rund 500000 Euro bezifferte, wuchs beim Verein die Sorge vor einer existenzbedrohenden finanziellen Belastung. In den folgenden Monaten suchten beide Seiten nach einem Kompromiss.

Armin Pioch, Hartmut Schmitt, Doris Müllner und Roland Mannhardt (v.li.) freuen sich über die Einigung nach einem jahrelangen Konflikt. Foto: Klassen
Armin Pioch, Hartmut Schmitt, Doris Müllner und Roland Mannhardt (v.li.) freuen sich über die Einigung nach einem jahrelangen Konflikt. Foto: Klassen

Der Einigung waren weitere Gespräche vorausgegangen. Nach der emotionalen Mitgliederversammlung Ende März (unsere Zeitung hat berichtet) hatte der Verein der Gemeindeverwaltung ein Angebot zur Kostenbeteiligung vorgelegt. Dieses lehnte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung zwar ab, kam dem Sportverein mit einem eigenen Vorschlag jedoch entgegen. Über den Vergleich stimmten die Mitglieder des SV Illingen nun in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ab. Von 79 anwesenden Mitgliedern votierten lediglich fünf gegen die Vereinbarung. „Diese breite Zustimmung hat mich sehr gefreut“, sagt die SVI-Vorsitzende Doris Müllner. Bereits nach 45 Minuten sei die Versammlung beendet gewesen.

Die Mitglieder stimmen dem Angebot der Gemeinde mit großer Mehrheit zu.

Der Verein setzte bewusst auf Transparenz: Eine Woche vor der Mitgliederversammlung konnten die Mitglieder sämtliche Unterlagen zu den Kosten und den Modalitäten beim Vorstand einsehen. Diese Möglichkeit habe allerdings nur ein Mitglied genutzt, berichtet Müllner. Während der Versammlung wurden die Vereinbarung sowie der neue Rahmenvertrag dann ausführlich erläutert und anschließend genehmigt.

„Das war ein langer und phasenweise auch schmerzhafter Prozess“, sagt der Illinger Bürgermeister Armin Pioch. „Am Ende mussten beide Parteien über ihren Schatten springen, aber nun sind wir froh, dass ein Schlussstrich gezogen werden konnte.“

Für die Gemeinde sei immer das oberste Ziel gewesen, den Verein nicht in seiner Existenz zu gefährden. „Ganz oben stand, dass die Kosten den SV Illingen nicht kaputt machen. Natürlich wollen wir den Fortbestand des Vereins sichern. Wir haben daher Rücksicht auf die finanzielle Lage des Vereins genommen“, sagt der Bürgermeister. Ziel sei eine Lösung gewesen, „bei der alle zu ihrem Recht kommen“.

Doris Müllner zeigt sich sichtlich erleichtert. „Wir können damit leben – und noch viel wichtiger – überleben“, sagt sie. Für die Vorsitzende und ihre Vorstandskollegen gehe damit eine lange Phase der Ungewissheit zu Ende. Der Konflikt habe sie teilweise sogar nachts wachgehalten. Nun könne man erst einmal durchschnaufen und sich wieder den alltäglichen Aufgaben an der Spitze eines Sportvereins widmen.

Mit der Einigung wurde zudem ein neuer Rahmenvertrag beschlossen, der die Nutzung der gemeindeeigenen Sportstätten künftig eindeutig regelt. Eine transparente Gebührenordnung schafft Klarheit darüber, welche Kosten je nach Nutzungsumfang entstehen. „Es ist jetzt alles geregelt, sodass unsere künftigen Nachfolger genau wissen, wie es gehandhabt wird“, sagt Müllner. Ihr Stellvertreter Hartmut Schmitt ergänzt: „So ist es für beide Seiten besser planbar und es ist ganz klar, wer welche Aufgaben hat. Alles ist sauber definiert.“

Dass die vereinbarte Zahlung den Verein finanziell fordern wird, verhehlt der Vorstand nicht. Der zweite Stellvertreter Roland Mannhardt zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Wir bekommen es hin.“

Jetzt richtet sich der Blick nach vorne. „Wichtig ist, dass vor allem die rund 500 Kinder, die bei uns im Verein aktiv sind, weiter Sport treiben können“, betont Müllner. Auch Pioch sieht den Konflikt endgültig beendet: „Das Problem ist gelöst, darüber sind wir alle sehr froh. Jetzt können wir nach vorne schauen.“

Nach sechs Jahren ist also der Schlusspfiff ertönt. Weitere Duelle sind nicht geplant. Künftig wollen Verein und Gemeinde wieder in einem Team spielen.

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